Plötzlich und fast unerwartet stand er da: ein riesiger
Plattenbau aus einer Zeit, die heute viele lieber vergessen
und verdrängen möchten. In ihm befand sich, bis wir 1990
„Westen“ wurden, eine Schaltzentrale der Ost-Berliner
Wirtschaft – der MBH (VEB Maschinen Bau Handel Berlin). Hier
wurden die einen oder anderen Entscheidungen über das Wohl und
Wehe der Planerfüllung einiger großer Produktionsbetriebe
gefällt. In diesem Gebäude wurde entschieden, wer, zu welcher
Zeit, in welcher Stückzahl, welches Zulieferteil bekommen
sollte. Da kam es schon zu Unstimmigkeiten unter verschiedenen
Firmen, die eine ähnliche Produktionspalette hatten. In den
langen Gängen dieses Gebäudes standen so manches Mal die
Einkäufer der verschiedensten Unternehmen, wie das EAW, WSSB,
KWO oder das KWA und andere Schlange, um sich ihre Materialien
für die Produktion zu sichern. Manchmal mit, manchmal auch mit
weniger Erfolg.
Vielleicht hatte das ehemalige Möbelkombinat, gegenüber
gelegen, einen besseren Draht zu dieser Institution gehabt–
weil: räumliche Nähe soll ja von Vorteil sein. Auf jeden Fall
zeigt sich heute dort noch Leben auf dem Betriebsgelände, was
man von seinem Gegenüber (MBH) nicht sagen kann. Ein riesiger
Bürokomplex, in dem sich gähnende Leere breit macht.
In dem ehemaligen
Möbelkombinat, wo einstmals die ersten Schrankwände der DDR
gefertigt wurden, hat sich heute ein Verpackungsunternehmen
etabliert.
Nicht weit von diesem entfernt, stehen die Reste
der Baulichkeiten eines Furnierwerkes. Ich traf dort einen
ehemaligen Mitarbeiter, der mir erzählte, dass es sich um den
ehemaligen Hauptlieferanten für das Möbelkombinat handelte.
Leider fiel unser Gespräch nur sehr kurz aus, da sein großer,
schwarzer Hund nicht mit mir und ich nicht mit ihm richtig
warm werden konnte – er knurrte mich ziemlich böse an. Ich
wollte kein Risiko eingehen und schwang mich wieder auf mein
Fahrrad, um meine Erkundungen fortzusetzen.
Nur einen Steinwurf entfernt glaubte ich mich auf
einem Südseeparadies wiederzufinden. Palmen und Jachten am
Strand sowie ein strahlend blauer Himmel versetzten mich in
einen Traum. Das hatte ich wirklich nicht erwartet. Es würde
mich mal interessieren, wer der Künstler dieser
Traumlandschaft war und zu welchen Zwecken er diese errichtet
hat.
Ein Grundstück weiter heißt, nicht nur eine
Hausnummer weiter, sondern in diesem Fall gleich ein ganzes
Jahrhundert. Ein großes rotes Backsteingebäude, es handelt
sich wohl um ein ehemaliges Industrieunternehmen, und die
dazugehörige Unternehmervilla geben ein tolles Ensemble. Mir
gefällt es jedenfalls sehr gut. Vielleicht steht es sogar
unter Denkmalschutz. Ich konnte aber kein entsprechendes
Schild ausmachen. Auch hier ist mir der Erbauer und der Zweck
nicht bekannt. Ich wäre dankbar, wenn mir auch zu diesem Thema
jemand ein paar aufklärende Worte schreiben würde. Ich werde
alle Erkenntnisse hier veröffentlichen.
Das soll es erst mal gewesen sein. Ich habe mich
zwar ein wenig von der Treskowallee entfernt, aber für mich
war dieser Blick über den Tellerrand doch sehr
interessant.
Ich kann eigentlich nur empfehlen, diesen kleinen
Spaziergang mal selbst zu unternehmen, um sich auch mit der
jüngeren Geschichte Karlshorsts zu
befassen. |