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In vielen Gesichtern spiegelten sich ängste,
Hoffnungslosigkeit, aber auch Ernsthaftigkeit und
Wahrhaftigkeit wider. Trotz der Leichtigkeit in den
Materialien, wie Transparentpapier oder Folien die
verwendet wurden, erschuf der Künstler eine gewisse
Schwere und Nachdenklichkeit. Auch vermitteln sie einen
Eindruck der allgegenwärtigen Vergänglichkeit, als
würden sie mit dem letzten Blick des Entsetzens über das
Hier und Heute auf ewig in die Tiefen ihres schwarzen
Hintergrundes verschwinden oder wie schmutziges Eis im
Frühling dahin schmelzen wollen.
Wenn ich ehrlich sein soll, würde ich mir ein solches
Bild nicht in die gute Stube hängen. Es gibt im
Augenblick ohnehin nicht all zu viel, worüber man noch
lachen könnte und ein Bild mit dieser Ausstrahlung wäre
meiner Gemütsverfassung nicht besonders zuträglich.
Vielleicht habe ich die Collagen auch falsch gedeutet
und es verhält sich alles ganz anders: der Künstler
wollte etwas viel Bedeutenderes zum Ausdruck bringen …
möglich … aber es ist die Sicht eines unbedarften
Betrachters und nicht die eines Künstlers.
Sehenswert sind sie aber alle Male.
Die Collagen des zweiten Raums sind da schon
wesentlich erfrischender. Obwohl auch hier ein Hauch von
Melancholie über den Bildern schwebt.
"Spät Nachmittags" - 2004 ca. 80x120cm aus
der Serie "Werktätige mit Faltbeutel" 21
Collagen
Die großformatigen Arbeiten sind zum überwiegenden
Teil ähnlich strukturiert und aufgebaut und bestehen
zumeist aus der Zusammenstellung von Ausschnitten
verschiedener Zeitschriften und Broschüren der 60er,
70er und 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Sie
dokumentieren fast kommentarlos, nur getragen durch die
Bilduntertitel, das Leben der Menschen in der DDR mit
all seinem Facettenreichtum. Die Betitelung der Bilder
hat sich mir nicht ganz erschlossen. So finden wir Titel
wie: „abends: Fernsehzeit“ oder „morgens – eins“ aber
auch der Vormittag wurde „senkrecht, waagerecht und
diagonal gekreuzt“ vom Künstler aufgeschlüsselt und
beschrieben. Na gut, ist halt künstlerische Freiheit.
Vieles erinnert mich an meine eigene Jugend bzw. an
meine Jungerwachsenenzeit. Da gibt es oft diesen
berühmten „Aha-Effekt“ – stimmt, so war das mal…und
manchmal überfiel mich auch ein Schmunzeln bei dem
Gezeigten. Aber auch sehr nachdenkliche Szenen werden
dargestellt, zum Beispiel, wenn der Künstler die
Geschehnisse der „Wendezeit“ in seinen Arbeiten in
meinem Inneren wieder aufleben lässt. Es ist ein
gelungener Rückblick auf die Geschichte und Geschichten
in Bildern des Alltags in der ehemaligen DDR.
Das oben aufgezeigte Bild ("Spät Nachmittags") ist
nicht Bestandteil der Ausstellung. Vielleicht hat es
schon jemand käuflich erworben – die Preise sind nicht
ganz ohne, aber ich denke, gerechtfertigt.
Der dritte Raum der Nachdenklichkeit ist eine Ehrung
der Schriftstellerin Christa Wolf und ihrem Buch „Ein
Tag im Jahr“ und stellt eine Chronologie großer und
kleiner Ereignisse, beginnend in den sechziger und im
Jahr 2000 endend, dar. Alle Jahre ab 1960 wurden sehr
detailliert aufgeführt. Nur das Jahr 1999 wurde
ausgespart. Ich habe jedenfalls keinen Kommentar dazu
gefunden. Vielleicht war es in den Augen des Künstlers
nicht so von Belang.
Wie auch immer, diese Ausstellung zeigt einmal mehr,
dass sich die Galerie „Carlshorst“ die Messlatte
ziemlich hoch gelegt hat und diesen Anspruch aus meiner
Sicht auch erfüllt.
Vielleicht noch eine kleine Randbemerkung von mir an
die Macher und Organisatoren. Die Räumlichkeiten der
Galerie sind ziemlich großzügig gestaltet und darum wäre
es eine gute Idee, die Arbeiten der Künstler so zu
platzieren, dass das Tageslicht beim Betrachten nicht
stört. Ein paar Leisten an der Decke quer zur
Raumausrichtung würden da schon weiterhelfen, um die
meist verglasten Bilder störungsfrei anschauen zu
können.
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