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Archiv 2005

Galerie "Carlshorst" Martin Hoffmann - Köpfe und Spuren

 


Die Galerie "Carlshorst" auf der Spurensuche mit Martin Hoffmann.

vom 16. August - 28. September 2005.

Drei Räume der Nachdenklichkeit.

Ich hatte mir schon seit längerer Zeit vorgenommen, die neue Ausstellung in der Galerie „Carlshorst“ aufzusuchen. Aber wie es halt so ist, kam immer etwas dazwischen. Es war eigentlich ein schöner warmer Sommertag, der 26. August 2005, bevor ich die Räumlichkeiten der Galerie betrat. Im selben Augenblick, als ich die Schwelle des ersten Raumes überschritt, überfiel mich aber völlig unvermittelt ein kalter Schauer.

Ich wurde von sieben Gesichtern, die in Glas gefasst sind, begrüßt, deren Gesichtsfarbe nicht gerade das widerspiegelt, was man weithin als besonders gesund einstufen möchte. Sie kündigen eher von „vornehmer“ Blässe oder, das würde meinen Eindruck noch mehr entgegenkommen, vom Charme der Röntgenbilder einer Pathologie. Sie haben mich unweigerlich an die Grabkammern der alten Pharaonen erinnert.


In vielen Gesichtern spiegelten sich ängste, Hoffnungslosigkeit, aber auch Ernsthaftigkeit und Wahrhaftigkeit wider. Trotz der Leichtigkeit in den Materialien, wie Transparentpapier oder Folien die verwendet wurden, erschuf der Künstler eine gewisse Schwere und Nachdenklichkeit. Auch vermitteln sie einen Eindruck der allgegenwärtigen Vergänglichkeit, als würden sie mit dem letzten Blick des Entsetzens über das Hier und Heute auf ewig in die Tiefen ihres schwarzen Hintergrundes verschwinden oder wie schmutziges Eis im Frühling dahin schmelzen wollen.

Wenn ich ehrlich sein soll, würde ich mir ein solches Bild nicht in die gute Stube hängen. Es gibt im Augenblick ohnehin nicht all zu viel, worüber man noch lachen könnte und ein Bild mit dieser Ausstrahlung wäre meiner Gemütsverfassung nicht besonders zuträglich. Vielleicht habe ich die Collagen auch falsch gedeutet und es verhält sich alles ganz anders: der Künstler wollte etwas viel Bedeutenderes zum Ausdruck bringen … möglich … aber es ist die Sicht eines unbedarften Betrachters und nicht die eines Künstlers.

Sehenswert sind sie aber alle Male.

Die Collagen des zweiten Raums sind da schon wesentlich erfrischender. Obwohl auch hier ein Hauch von Melancholie über den Bildern schwebt.

"Spät Nachmittags" - 2004 ca. 80x120cm
aus der Serie "Werktätige mit Faltbeutel" 21 Collagen

Die großformatigen Arbeiten sind zum überwiegenden Teil ähnlich strukturiert und aufgebaut und bestehen zumeist aus der Zusammenstellung von Ausschnitten verschiedener Zeitschriften und Broschüren der 60er, 70er und 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Sie dokumentieren fast kommentarlos, nur getragen durch die Bilduntertitel, das Leben der Menschen in der DDR mit all seinem Facettenreichtum. Die Betitelung der Bilder hat sich mir nicht ganz erschlossen. So finden wir Titel wie: „abends: Fernsehzeit“ oder „morgens – eins“ aber auch der Vormittag wurde „senkrecht, waagerecht und diagonal gekreuzt“ vom Künstler aufgeschlüsselt und beschrieben. Na gut, ist halt künstlerische Freiheit. Vieles erinnert mich an meine eigene Jugend bzw. an meine Jungerwachsenenzeit. Da gibt es oft diesen berühmten „Aha-Effekt“ – stimmt, so war das mal…und manchmal überfiel mich auch ein Schmunzeln bei dem Gezeigten. Aber auch sehr nachdenkliche Szenen werden dargestellt, zum Beispiel, wenn der Künstler die Geschehnisse der „Wendezeit“ in seinen Arbeiten in meinem Inneren wieder aufleben lässt. Es ist ein gelungener Rückblick auf die Geschichte und Geschichten in Bildern des Alltags in der ehemaligen DDR.

Das oben aufgezeigte Bild ("Spät Nachmittags") ist nicht Bestandteil der Ausstellung. Vielleicht hat es schon jemand käuflich erworben – die Preise sind nicht ganz ohne, aber ich denke, gerechtfertigt.

Der dritte Raum der Nachdenklichkeit ist eine Ehrung der Schriftstellerin Christa Wolf und ihrem Buch „Ein Tag im Jahr“ und stellt eine Chronologie großer und kleiner Ereignisse, beginnend in den sechziger und im Jahr 2000 endend, dar. Alle Jahre ab 1960 wurden sehr detailliert aufgeführt. Nur das Jahr 1999 wurde ausgespart. Ich habe jedenfalls keinen Kommentar dazu gefunden. Vielleicht war es in den Augen des Künstlers nicht so von Belang.

Wie auch immer, diese Ausstellung zeigt einmal mehr, dass sich die Galerie „Carlshorst“ die Messlatte ziemlich hoch gelegt hat und diesen Anspruch aus meiner Sicht auch erfüllt.


Vielleicht noch eine kleine Randbemerkung von mir an die Macher und Organisatoren. Die Räumlichkeiten der Galerie sind ziemlich großzügig gestaltet und darum wäre es eine gute Idee, die Arbeiten der Künstler so zu platzieren, dass das Tageslicht beim Betrachten nicht stört. Ein paar Leisten an der Decke quer zur Raumausrichtung würden da schon weiterhelfen, um die meist verglasten Bilder störungsfrei anschauen zu können.


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